Lisbeth Mathys war es leid, sich als alleinreisender Hotelgast wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen. Die Unternehmerwitwe beschloss, ein komfortables Refugium zu schaffen. Seit September ’06 ist sie die Besitzerin des ersten Schweizer Hotels für Alleinreisende. Das Wohlfühlparadies mit Vier-Sterne-Ambiente steht in Spiez am lieblichen Thunersee.
Als alleinstehende Person zu logieren, insbesondere als Frau, ist oft ein trübes Kapitel, obwohl jeder Gast «herzlich willkommen» ist und in Hotelbroschüren mit blumigen Worten zum König erhoben wird. Bereits bei der Buchung zieht der Alleinreisende den Kürzeren: Das gewünschte Einzelzimmer erfordert einen Preisaufschlag. Im Speiserestaurant ist «leider» nur noch der «Katzentisch» am Eingang zur Küche zu haben, bestenfalls sitzt man vor einem einsamen Gedeck mitten im Saal wie auf dem «Präsentierteller». Der Ruf nach dem Kellner wird gerne mal überhört, und der arglose Schlummertrunk an der Bar nicht selten missverstanden und ruft unerwünschte Gesellschaft auf den Plan. Das verärgert, denn eigentlich erwartet man, auch als Alleinreisender wie ein König behandelt zu werden.
Als Lisbeth Mathys nach dem Tod ihres Gatten Robert vor sechs Jahren begann, die Schweiz zu bereisen, erlebte sie häufig derartige Situationen. Mit ihm gemeinsam hatte sie die ganze Welt gesehen, nun wollte sie die Heimat näher kennenlernen. Solo unterwegs, musste die 62-jährige Geschäftsfrau aus dem Solothurnischen jedoch feststellen, dass es einen gravierenden Unterschied macht, ob man mit einem Partner in einem Hotel absteigt oder allein. «Ich machte viele schlechte Erfahrungen , fühlte mich nie wirklich willkommen. Die Betreuung, die ich mir so sehr wünschte, erhielt ich nicht», so ihre Empfindungen von damals. Je belebter das Hotel, umso mehr fühlte sie sich wie eine Gestrandete auf einer einsamen Insel. Oft floh sie nach dem Nachtessen mangels attraktiver Alternativen ins Zimmer und verbrachte den Abend notgedrungen vor dem Fernseher.
Bei ihren Exkursionen durch die hiesige Hotellerie entdeckte Lisbeth Mathys, dass es nicht nur ihr so erging. Sie sah Menschen jeden Alters, die in den Speisesälen einsam vor ihrem Teller sassen. Kein Gespräch, das erwärmte, kaum Aufmerksamkeit vom Personal, niemand interessierte sich für sie. Dieses Bild ging ihr nicht nur zu Herzen, sondern auch immer wieder durch den Kopf. Und eines Nachts, als sie mal wieder enttäuscht den Rückzug ins Hotelbett angetreten hatte, reifte in ihr ein Gedanke: ein Hotel für Alleinreisende – das wär’s!







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